Die Arthroskopie des Handgelenkes

Die Arthroskopie des Handgelenkes

EINLEITUNG

Das Arthroskop ist eine feine starre Sonde, welche ein Vergrößerungssystem enthält. Diese Sonde ist über eine Fiberoptik mit einem Bildschirm verbunden. Das ganze System ermöglicht dem Chirurgen, über minimale Öffnungen Gelenksanteile darzustellen, welche sonst nur durch aufwendige Öffnungen sichtbar gemacht werden können. Der Vorteil der A. ist nicht nur die schnellere und problemlosere Heilung, sondern auch die Tatsache, daß die Anteile des Gelenkes vergrößert dargestellt werden und damit für den Chirurgen besser zu beurteilen sind. Seit Jahren wird die Arthroskopie erfolgreich in der Knie- und Schulterchirurgie eingesetzt. Durch die technische Verfeinerung des Instumentariums wird sie jetzt auch in der Chirurgie des Handgelenkes benützt.

Das Handgelenk besteht aus:
dem distalen radio-ulnaren Gelenk(1), welches Speiche und Elle verbindet und die Drehbewegungen der Hand ermöglicht;
dem radio-karpalen Gelenk(2), welches die Handwurzel mit Speiche und Elle verbindet, sowie
dem medio-karpalen Gelenk(3), das die beiden Handwurzelreihen unter sich verbindet. Die einzelnen Handwurzelknochen sind weiterhin unter sich noch gelenkig verbunden, sodaß das Handgelenk eigentlich aus mehr als 10 Gelenken besteht.

Das Handgelenk wird durch ein komplexes Bandsystem zusammengehalten. Eine knorpelige dreiecksförmige Scheibe, der Dreiecksknorpel, hält Elle und Speiche zusammen und hat gleichzeitig Anteil am radio-karpalen Gelenk.

 

INDIKATIONEN

Ein Handgelenk wird meistens arthroskopiert, wenn andauernde Beschwerden vorliegen, deren Herkunft trotz des Einsatzes subtiler diagnostischer Mittel (Magnetresonanz, Computertomographie, Arthrographie) weiter unklar bleibt.
Knorpel- aber auch Bandläsionen(3) können bisweilen nur arthroskopisch diagnostiziert werden. Falls eine Diagnose schon vorliegen sollte, wie z.B. eine Läsion des Dreiecksknorpels(3), kann diese arthroskopisch genauer dargestellt und gegebenenfalls auch behandelt werden.

 

OPERATIONSTECHNIK

Der Eingriff wird in regionaler Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt. Am Oberarm wird eine Blutsperre angelegt, denn es muß in Blutleere operiert werden. Auf der Streckseite des Handgelenkes werden über 2-3 kleine (0.5 cm) Hautschnitte Arthroskop und andere Spezialinstrumente in das Handgelenk eingeführt. Die Gelenkfächen werden systematisch begutachtet und mit einem kleinen Tasthaken auf ihre Beschaffenheit geprüft. Knorpelschäden und Bandrupturen können so festgestellt werden. Mit Spezialinstrumenten können auch bestimmte Läsionen direkt arthroskopisch behandelt werden (siehe Illustration 4).
Nach dem Eingriff wird meistens nur eine elastische Binde angelegt. Je nach Diagnose kann frühzeitig mit der Bewegung des Handgelenkes begonnen werden.

VERLETZUNGEN DES DREIECKSKNORPELS

Es gibt verschiedene Verletzungsarten des Dreiecksknorpels genannt auch TFCC aus dem Englischen “triangular fibrocartilage complex”:

  1. Zentrale Verletzungen, die durch einfaches Anfrischen mit Erfolg behandelt werden können (Fig 4 + Film „TFCC debridement“).
  2. Periphere Ausrisse meistens im Bereich der ulnaren Kapsel, die arthroskopisch genäht werden können: Der Faden wird über eine Nadel in das Gelenk eingeführt, wobei der Dreiecksknorpel durchstochen wird (Fig 5). Mit einer Spezialzange wird der Faden gefasst (Fig 6). Der Faden wird aus dem Gelenk gezogen und unter der Haut verknüpft (Fig 7). Das Bild (Fig 8) zeigt den genähten Dreiecksknorpel. Hier klicken, um das Video der arthroskopischen Naht anzusehen.
  3. Wenn periphere Ausrisse zu einer Instabilität des distalen radio-ulnaren Gelenkes führen, muss der Dreiecksknorpel knöchern an der Ulna verankert werden. Dieses kann auch durch einen offenen Eingriff durchgeführt werden (Fig 9 a-c): Der Knochen wird in Höhe der Fovea ulnaris angebohrt, um dort den Knochenanker einzusetzen (Fig 9a). Der Knochenanker ist eingesetzt mit zwei Fäden, die durch den Dreiecksknorpel verlaufen (Fig 9b). Die beiden Fäden wurden verknüpft und der Dreiecksknorpel ist am Knochen befestigt (Fig 9c).

Die postoperative Behandlung besteht im ersten Fall in einer kurzen Ruhigstellung in einer Schiene für wenige Tage.

Im zweiten und dritten Fall ist eine sechs wöchige Ruhigstellung von Ellbogen und Handgelenk notwendig, um die Einheilung des genähten Dreiecksknorpels zu ermöglichen. Danach beginnt die Rehabilitation.

ERGEBNISSE

Im Falle einer rein diagnostischen Arthroskopie kann mit einem normalen Gebrauch des Handgelenkes in ca. 3 Wochen gerechnet werden. Nach einer chirurgischen A. wird sich dieser Zeitraum je nach Befund und Eingriff entsprechend verlängern.

 

RISIKEN UND KOMPLIKATIONEN

Infektionen sind selten, meistens oberflächlich und können mit Antibiotika behandelt werden. Tiefe Infektionen sind äußerst rar. Oberflächliche Nervenäste können verletzt werden. Dabei kann ein kleines umschriebenes Hautareal unempfindlich bleiben und/oder eine schmerzhafte Narbe entstehen. In ganz seltenen Fällen muß der in die Narbe eingewachsene schmerzhafte Nervenstumpf (Neurinom) entfernt werden. Die Verletzung der über das Handgelenk verlaufenden Strecksehnen ist sehr selten. In einem solchen Fall wird die Sehne genäht.